An: 19. Mai 2021 In: Restrukturierung

Zombieunternehmen – willenlos und wohlgenährt?

Verlassen sich inzwischen viele Unternehmen nur noch auf Rettung durch den Staat, anstatt nach mehr Effizienz und Innovationen zu streben? Denn, Experten befürchten einen starken Anstieg von Zombieunternehmen.

Laut Wikipedia Eintrag ist ein Zombieunternehmen (auch Zombiefirma) ein hoch verschuldetes Unternehmen, das aufgrund seines unprofitablen Geschäftsbetriebes nicht in der Lage ist, die Zinsen von aufgenommenen Kredite zu zahlen. Um das kurzfristige Fortbestehen einer Zombiefirma zu sichern, werden häufig neue Kredite aufgenommen, mit denen die Zinsen und unter Umständen auch Tilgungen von bestehenden Krediten gezahlt werden. Ein allgemein niedriges Zinsniveau fördert das Fortbestehen von Zombiefirmen bzw. verhindert eine Marktbereinigung in normalem Maße. Derartige Auswirkungen einer Niedrigzinspolitik werden auch als Zombifizierung bezeichnet.

Die Zahl der Zombieunternehme wird im ersten Halbjahr 2021 weiter steigen. Das geht aus dem Finanzmarktest des Leibnitz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervor.

Demnach befürchten 58 Prozent der Befragten einen geringen und 39 Prozent einen starken Anstieg an Zombieunternehmen.  Die Coronakrise hätte für viele dieser Unternehmen eigentlich wie ein Katalysator zwingend das Aus bedeuten müssen. Die Realität sehe aber anders aus, weil staatliche Hilfen, allen voran das an niedrigere Hürden geknüpfte und bis Ende 2021 verlängerte Kurzarbeitergeld, gerade auch diesen Zombieunternehmen helfen, doch weiter am Markt zu bleiben.

Eine zwingende Notwendigkeit, bereits jetzt über Restrukturierung nachzudenken, gleich ob außergerichtlich oder in einem gerichtlichen Restrukturierungs- oder Schutzschirmverfahren, gebe es für die Zombies damit weiter nicht.  Sie werden weiter auch ohne Restrukturierung über Wasser gehalten. Auch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht hatte nach Ansicht von Finanzmarktexperten einen großen Einfluss darauf, dass Zombieunternehmen weiter existieren.

Restrukturierung von Zombieunternehmen

Zombieunternehmen: Ausblick auf 2021 und 2022

Wie es 2021 mit den Zombieunternehmen weitergeht, bleibt abzuwarten. Viele Experten rechnen jedoch – wie in Horrorfilmen auch – mit dem Schlimmsten: Creditreform geht zum Beispiel für 2021 von 550.000 überschuldeten Unternehmen aus, die zu Zombieunternehmen werden könnten, 2022 sogar mit bis zu 800.000, heißt es im IW-Kurzbericht.

Zombieunternehmen bedrohen den Wohlstand

Die Kosten der wohlgenährten Zombies fallen in Form von Wohlstandsverlusten auf die Gesellschaft zurück. Die Bemühungen vieler Unternehmen, die Effizienz zu erhöhen und Innovationen voranzubringen, nehmen ab. Der Reinigungsprozess der Krise, der Unternehmen mit nicht nachhaltigem Geschäftsmodell zur Restrukturierung oder zum Scheitern zwingt, ist außer Kraft gesetzt. Verzerrte Wirtschaftsstrukturen werden zementiert. Arbeit und Kapital werden in Unternehmen mit geringer Effizienz gebunden.

Corona-„Wiederaufbaufonds“

In der Corona-Krise hat die EZB im Zuge des Pandemischen Notfallkaufprogramms (Umfang: 1850 Mrd. Euro) den Ankauf der Unternehmensanleihen nochmals aufgestockt. Der Bestand von Unternehmensanleihen ist so auf ca. 300 Mrd. Euro angeschwollen. Knapp ein Viertel entfällt auf deutsche Großunternehmen. Die Gezielten Längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte der EZB, deren Finanzierungsrahmen zu Beginn der Krise auf ca. 3000 Mrd. Euro gesetzt wurde, haben einen Umfang von über 2000 Milliarden Euro erreicht. Sie sind mit einem negativen Zins in Höhe von -0,5 bis -1% versehen.

Die Kreditvergabe der KfW hat sich im Krisenjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Das hat zusammen mit Rekapitalisierungen, Direktzahlungen, dem Aussetzen der Insolvenzantragspflicht sowie einem 130-Milliarden-Euro-Konjunkturprogramm einer großen Corona-Bankrottwelle vorgebeugt. Mit dem weiteren Anstieg der öffentlichen Haushaltsdefizite ist eine Trendwende bei den direkten und indirekten staatlichen Subventionen in Deutschland nicht in Sicht.

Rettungsgelder statt Restrukturierung und Investition von Unternehmensgewinnen

Die wirtschaftliche Lage der Zombies ist damit 2021 in Deutschland nicht prekär. Sie profitieren mehr denn je von einer nachsichtigen Behandlung durch den Staat und ihre eigenen Arbeitnehmer. Die Kreditzinsen für Unternehmen wurden immer weiter absenkt und liegen auf einem historischen Tiefstand. Auch die Lohnabschlüsse sind seit langem zurückhaltend, weil die großen Finanz- und Hygienekrisen der letzten zwei Dekaden die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften geschwächt haben.

Langfristig droht das Abdriften in planwirtschaftliche Strukturen, weil staatlichen Hilfen längst zu einer Konstante geworden sind.
Gesamtwirtschaftlich sinken Produktivitätsgewinne und Wachstum. Schon in Folge der globalen Finanzkrise wurde trotz – bzw. aufgrund – der sehr lockeren Geldpolitiken in Deutschland das Output-Niveau der Vorkrisenzeit wieder erreicht. Ähnliches zeichnet sich nun mit der Corona-Krise ab. Langfristig droht das Abdriften in planwirtschaftliche Strukturen, weil staatlichen Hilfen längst zu einer Konstante geworden sind. Hier sprechen wir mit Blick auf die mittel- und osteuropäischen Planwirtschaften von weichen Budgetrestriktionen: Da Arbeitslosigkeit politisch unerwünscht war, wurden unproduktive Unternehmen durch nicht-verzinste Kredite der Staatsbanken und Geldschöpfung der Zentralbank am Leben erhalten. Die Geldmenge war reichlich, Güter und Dienstleistungen waren knapp.

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